Ablauf der Herzoperation von Ulrich Borggraefe
Herzoperation Intensivstation - Bad Oeynhausen, Mai 1993 (Preface)
Den
nachfolgend geschilderten Begebenheiten und Eindrücken liegen
Kurznotizen zugrunde, die ich allabendlich vor dem Einschlafen auf der
Pflegestation angefertigt habe. Die Idee hierzu kam mir erst sehr
spontan nach der Rückverlegung von der Intensivstation auf die
Pflegestation, so daß ich hierzu in meiner mir zu diesem Zeitpunkt
erreichbaren Umgebung gerade einmal einen stumpfen Bleistift und ein
Paper-Book fand. Die freien Seitenteile dieses Buchs ersetzten mir das
Schreibpapier.
Die kurzen Schilderungen sind nicht durchweg
chronologisch wiedergegeben, sondern gleichen mehr einer bunten Palette
von Erlebnissen, ungeordnet und vielfach ohne inneren Zusammenhang.
Dieses fehlende Geordnetsein entsprach allerdings auch meinem
postoperativem, narkotisierten Zustand, in dem man versucht sich in
einer fremden Umgebung zurecht zu finden.
Aufgrund von
späteren Gesprächen mit Herzpatienten, die auf der gleichen Station
lagen, habe ich den Eindruck gewonnen, daß mir die Erlebnisse und
Eindrücke vergleichsweise intensiv in Erinnerung geblieben sind. Dies
war dann auch der Grund warum ich in den Sommerferien 1993 meinen
Laptop (Computer) bemüht habe, die folgenden Erinnerungen zu
dokumentieren.
"Öffnung meines Herzens" ist - obwohl diese
Ausführungen im Zusammenhang mit meiner Herzoperation stehen - nicht
chirurgisch zu verstehen. Mich anderen Menschen gegenüber zu öffnen,
und zwar mehr als ich dies vor meiner Operation vermochte, ist mir
heute ein "Herzens-Anliegen". Es ist zugleich ein wichtiger Meilenstein
auf meinem Weg der Lebensstiländerung.
Die Nacht vor der Operation
Als
Operationstermin wurde bei meiner Einlieferung der 3. Mai 1993
festgelegt. Dieser Zeitpunkt wurde auch eingehalten, ganz im Gegensatz
zu den Patienten, die ich in den Tagen vor meiner Operation auf den
Fluren des Krankenhauses gesprochen habe, bei denen aufgrund dringender
Herztransplantation der OP-Termin drei- und auch viermal kurzfristig
verschoben wurde.
Das Engelhemdchen
Das morgendliche
Wecken erfolgte an diesem Tag bereits um fünf Uhr. Auf eine
erfrischende Dusche mußte ich an diesem Morgen verzichten, da man mich
am Tage zuvor bereits OP-fertig gemacht hatte, d.h. den Körper von
allen Haaren befreit hatte. Die Morgenschicht verabreichte mir dann
noch einmal eine Schlaftablette, die ihre Wirkung nicht verfehlte, denn
bis auf einige belanglose Gespräche mit meinem Bettnachbarn und bis auf
die Tatsache, daß es ein schöner, sonniger Montagmorgen war, kann ich
mich an keine Besonderheiten mehr erinnern.
Gegen 10 Uhr
wurde mir das für Operationen obligatorische "Engelhemdchen", mein
Nachbar nannte es wenig feinfühlend Totenhemd, von der Schwester
angelegt. In dieser Aufmachung wurde ich dann in meinem Bett in den
OP-Bereich gerollt. Auf der Grenze der weißen Krankenhauswelt
(Pflegebereich) zur grünen Krankenhauswelt (OP-Bereich) lud man mich
dann auf einen fahrbaren Tisch zur Vorbereitung auf die Narkose um und
rollte mich dann in den OP-Vorbereitungsraum. Hier wurde ich mit grünen
vorgewärmten OP-Tüchern abgedeckt. Die Wärme der Tücher tat mir gut.
Der Cocktail
Gut
tat mir auch eine Prise Sauerstoff, die mir über eine angelegte
Atemmaske verabreicht wurde. Dann wurde es hektisch, der Chefarzt der
Amnestesie betrat den Raum. Er begrüßte mich, stellte sich kurz und
korrekt vor und teilte mir mit, er würde mir nun einen Cocktail
verabreichen.
Zu diesem Zeitpunkt war ich durch mein inneres
Abschalten bereits in eine große Letargie verfallen, so daß ich erst
beim Ansetzen einer Spritze merkte, daß es sich bei besagtem Cocktail
um die Spritze handelt, die vor der Narkose gegeben wird. So waren
diese Worte und diese Handlungen auch die letzten Dinge, die ich
vernahm. Den Worten folgt dann in meiner Erinnerung ein großes
schwarzes Loch, das sich - zeitlich gesehen - bis zum Aufwachen in der
blauen Krankenhauswelt , d.h. der Intensivstation, erstreckt.
Im blauen Salon
Auf
der Intensivstation wurde ich vom Pfleger mit Worten begrüßt, die in
etwa wie folgt lauteten: "Sie befinden sich hier im blauen Bereich. Die
Operation ist gut verlaufen. Zur Zeit werden sie über die
Herz-Lungen-Maschine beatmet und können wegen der Atemschläuche nicht
sprechen. Ihre Frau ist über den guten Ausgang der Operation
informiert."
Wie mir meine Frau später bei Ihrem Besuch am
nächsten Tag berichtete, erreichte sie der erlösende Anruf gegen 15
Uhr, so daß die Operation ungefähr drei bis vier Stunden gedauert hat.
Diese Worte des Pflegers, der sich mit dem Namen Hannes vorstellte,
sind mir so gut in Erinnerung, da sie insbesondere die Nachricht
enthielt, daß meine Lieben nun informiert sind. Mit der Bezeichnung
"blauer Bereich" war die Intensivstation gemeint, in der alle
Mitarbeiter blaue Berufskleidung tragen. Als ich diese Worte vernahm,
mußte ich allerdings spontan an einen blauen Salon denken, bis ich mir
über die Worte blauer Bereich im Sinne von Intensivstation klar wurde.
Die Sache mit der Uhr
Da ich beim Erwachen auf der
Intensivstation natürlich meine Brille nicht auf hatte, hatte ich
aufgrund meiner Kurzsichtigkeit große Schwierigkeiten beim Sehen. So
kann ich mich z.B. weder an Gesichter des Pflegepersonals noch an die
der Ärzte erinnern. Auch Details der Räumlichkeiten und der
medizinischen Apparate, wie die Herz-Lungen-Maschine, habe ich nicht
vor Augen.
Um den Grad meiner Fehlsichtigkeit bildhaft zu
machen, erwähne ich die große Wanduhr, die direkt in meinem Blickfeld
an der gegenüberliegenden Wand hing. Was muß ich den Pfleger genervt
haben, den ich immer wieder nach der Uhrzeit gefragt habe, der jedoch
um meine Kurzsichtigkeit nichts wissen konnte. Als ich ihn dann kurz
vor Schichtwechsel darum bat mir meine Brille zu reichen, sah ich
seinen verständnisvollen Blick. Jetzt hatte sich für ihn die Sache mit
der Uhr wohl aufgeklärt.
Befreiung von den Schläuchen
Zu
den vielen Schläuchen, Meß- und Kontrollkabeln und sonstigen Strippen
sei bemerkt, daß es eine unvorstellbar große Anzahl war. Nach meiner
Erinnerung wurde ich zu diesem Zeitpunkt von fünf Schläuchen befreit,
womit immerhin noch die gleiche Anzahl verblieb. Selbst an einen
Schlauch zum Wasserlassen war gedacht. Ich erinnere mich deswegen so
gut daran, weil ich dem Pfleger ein Kompliment gemacht habe, wie
gekonnt er mir den selbigen herausgezogen hat.
Zuvor waren
mir bereits die schlimmsten Schläuche abgenommen worden, und zwar der
durch den Mund eingeführte Beatmungsschlauch sowie der durch die Nase
eingeführte Schlauch zur Vermeidung von Erstickung im Falle des
Erbrechens. Der an die Herz-Lungen-Maschine angekoppelte
Beatmungsschlauch war fest in den Schlund eingepreßt und verhinderte so
jegliches Sprechen.
An diesem Schlauch muß ich bis gegen Mitternacht gehangen haben. Er
verursachte die größten Schmerzen, die ich im "blauen Salon"
durchgemacht habe. Zeitweilig kullerten mir vor Schmerzen die Tränen
aus den Augen und zwar so, daß ich das Gefühl hatte, mein Kopfkissen
sei naß vor Tränen. Insofern erschien mir die Befreiung von diesem
Marterinstrument als der erlösenste Augenblick nach der OP.
Dies
aber nicht nur deswegen, weil er mich von peinigenden Schmerzen
befreite, sondern insbesondere, weil ich nunmehr wieder in der Lage
war, zu sprechen bzw. mich mitzuteilen. Und mein Mitteilungsbedürfnis
war groß. So wollte ich vor allem wissen, wann ich von diesem
Folterschlauch befreit werde. Dies machte ich dem Pfleger durch Hinweis
auf meine Tränen und auf die Uhr an der Wand deutlich.
Er gab
mir zu verstehen, daß ich wohl bis gegen 21 Uhr über die HL-Maschine
beatmet werden müsse, allerdings mit der Einschränkung, daß alles einen
planmäßigen Verlauf nimmt. Genau dieser planmäßige Verlauf war mir
nicht vergönnt, mit der Folge, daß ich um Mitternacht immer noch an der
Herz-Lungen-Maschine angeschlossen war. Die Sauerstoffanreicherung im
Blut erfolgte nicht so schnell wie erwartet. Dies merkte ich an den
vielen Blutentnahmen, die zur Sauerstoffmessung ins Labor geschickt
wurden, und zwar auch noch dann, als andere Patienten, die nach mir
operiert wurden, bereits von ihren Schläuchen befreit waren.
Wie ich später aus dem bei Schichtwechsel mündlich vorgetragenen
Bericht entnehmen konnte, wurde die ganze Angelegenheit auf eine
falsche Anamnese zurückgeführt. Letztlich wurde mir dann aber auch in
diesem Report bestätigt, daß der Patient durch seine aktive Mitarbeit
in der Postphase (nach Beendigung der künstlichen Beatmung) diesen
Rückstand wieder aufgeholt habe.
Der Traum von der ersten Tasse Kaffee
Des
weiteren waren meine im Zustand des Erwachens noch narkotisierten Sinne
beschränkt auf den Geruchssinn. Als markantestes Geruchserlebnis habe
ich das Kaffee-Ereignis in Erinnerung. Es war beim Wechsel der
Frühschicht, als mich der morgendliche Kaffeegeruch aus meinem dösenden
Zustand holte. Den Becher, aus dem der wohltuende Duft entströmte,
entdeckte ich in den Händen der die Frühschicht übernehmenden
Schwester. Den Kaffee genüßlich schlürfend lehnte sie lässig an der
Fensterbank und nahm den Bericht der Nachtschicht kopfnickend zur
Kenntnis.
Nicht daß ich ihr den Kaffee nicht gönnte! Zur
Beurteilung meiner Situation muß man wissen, daß mir zu diesem
Zeitpunkt eine Tasse Kaffee noch in unerreichbarer Ferne zu liegen
schien. Dies um so mehr, als man mir zur Reduktion des Wasserhaushaltes
im Körper bisher nach langem Bitten und Betteln gerade einmal einen
kleinen Becher Eiswasser zugestanden hatte. Unerwartet schnell ging
dann jedoch mein Kaffeewunsch in Erfüllung, indem mir drei Stunden
später von besagter Schwester das Frühstück - nun bereits auf der
Bettkante sitzend - serviert wurde.
Es begann in einer Sommernacht im sonnigen Torent
Das
erste, was ich nach meinem Aufwachen in der Intensivstation akustisch
wahrnahm, war die schmachtende Stimme eines Vico Torriani mit obigem
Oldtimertext. Man stelle sich meine Situation der
Orientierungslosigkeit beim Erwachen aus der Narkose vor. Ich brauchte
eine schier endlose Zeit, um mich mittels dieser Informationen wieder
in dieser Welt zurecht zu finden. Zunächst habe ich aber vergeblich
über diese tiefsinnigen Worte nachdenken müssen, bis mir der Pfleger
Hannes bei der Problemlösung hilfreich beistand. Mit ruhiger und
kompetenter Stimme stellte er sich als Pfleger Hannes vor und
verkündete mir, daß ich mich nun, nach erfolgreicher Operation auf der
Intensivstation befände.
Das Schlimmste ist überstanden,
jetzt kann es nur noch bergauf gehen, ging es mir durch den Kopf.
Frohlockend kam mir der Gedanke, daß mein Fall jetzt nicht mehr dazu
geeignet sei, die Mortalitätsrate für fehlgeschlagene Herzoperationen
zu beeinflussen. Nicht gerade feinfühlig prangte eine derartige
Statistik mit grafischer Untermalung an der Wand der Pflegestation,
gegenüber von meiner Zimmertür.
Der Herz-Lungen-Maschine
anvertraut, machte ich mich gezielt auf die Ortung nach der Tonquelle,
die mir da immer wieder klarmachen wollte, daß alles "im sonnigen
Torent" begann. Die Suche konnte dann erfolgreich mit der Entdeckung
eines Lautsprechers direkt über mir an der Zimmerdecke abgeschlossen
werden.
Nachdem ich mich mit diesem unvermeidlichen
Schicksal abgefunden hatte, ging mir durch den Kopf, daß es mit der
Mitbestimmung der Patienten im Krankenhaus auch nicht zum Besten
bestellt sein könne, denn schließlich hatte ich mit einem Schlauch im
Hals auch nicht die geringste Chance, auch nur einen Pieps von mir zu
geben, geschweige meine Veto-Stimme gegen diese Art von Musik, die mich
wahrhaft nervte, zu artikulieren.
Der Kampf um den Sauerstoff
Nach
der Operation wird der Patient auf der Intensivstation im Regelfall für
fünf bis sechs Stunden ausschließlich über ein Beatmungsgerät beatmet.
Danach wird die Maschine sukzessive auf Eigenatmung umgestellt, d.h.
die unterstützende Funktion des Beatmungsgerätes wird bei zunehmender
aktiver Atmung des Patienten gedrosselt.
Das regelmäßige
Arbeiten des Beatmungsgerätes beim Erwachen auf der Intensivstation
hörte sich wie ein rhytmisch bedienter Blasebalg an. Als ich vom
Pfleger dahingehend instruiert wurde, daß ich zunächst einmal über ein
Gerät beatmet werde, habe ich mir Vorwürfe gemacht, daß ich mich vor
der Operation nicht eingehender mit dieser Technik auseinandergesetzt
habe. In diesem Moment begriff ich nur so viel, daß ich nunmehr ganz
dieser Maschine ausgeliefert bin.
Über einen Schlauch wurde
mir in einer bestimmten Zeiteinheit (etwa vier Sekunden) eine bestimmte
Menge Sauerstoff ohne mein Zutun in die Lungen eingeblasen. Ich
reagierte zutiefst verärgert, daß mir dieser Sauerstoff in nur
rationierter Form zugeteilt wurde, denn nach meinem Gefühl war die
Luftzufuhr bei weitem zu wenig. Alle Versuche, der Maschine mehr
Sauerstoff abzuringen schlugen fehl. Warum muß gerade hier auf der
Intensivstation an Sauerstoff "gespart" werden, dachte ich empört, um
mich dann aber bald wieder mit der Vorstellung, daß diese Situation
bereits tausende Patienten überlebt haben, zu beruhigen.
Gerade
mit dieser Einsicht in das Unabwendbare abgefunden, stellte sich meine
Problematik schon wieder anders dar. Die ruhigen Worte des Pflegers
wiesen darauf hin, daß ich mich nunmehr an der Atmung aktiv beteiligen
müsse. Langsam einatmen, langsam ausatmen, war nun die Devise. In
dieser Situation des "Halbautomatikbetriebs" sah ich meine größte
Chance, dem System mehr Luft abzuringen als mir in der
vollautomatischen Gangart zustand.
Genüßlich zog ich den
ersten Atemzug in meine Lungenflügel. Ich zählte 21, 22, 23, 24, dann
machte es unverhofft klick und und mit der Sauerstoffzufuhr war es am
Ende. Ich war entsetzt, wieder so wenig Sauerstoff! Dann überlegte ich
cool: wenn dies mein eigener Beitrag zur Beatmung gewesen war, so stand
mir der Beitrag der HLM noch zu. So also nicht, das muß ganz anders
laufen!
Der Plan war geboren, mich an die optimale Aufteilung
zwischen Eigen- und Fremdbeatmung heranzutasten. Mir war klar, daß dem
Beatmungssystem ein Programm zugrunde liegt, das es nunmehr im Wege des
trial and error zu analysieren und zu entschlüsseln galt, um es
letztlich optimal zu nutzen. Konsequent verringerte ich nun meinen
Eigenanteil, 21, 22 stop.
Und siehe da, mit dem Aussetzen meiner Atmung machte es wieder klick,
dieses mal aber mit der Folge, daß mir eine Sonderportion Luft
zugeteilt wurde. Nach mehrfachem Experimentieren war ich mir darüber im
klaren, daß die Maschine von einem Zeitintervall von ca. vier Sekunden
den Anteil übernahm, der nicht durch Eigenatmung genutzt wurde. Somit
war es nicht möglich, sich durch eigene Atemaktivitäten Vorteile zu
verschaffen. Die effektiveste Nutzung des Beatmungssystems bestand
somit in einer Eigenatmung und einer Fremdbeatmung von jeweils zwei
Sekunden. Damit war das Problem für mich gelöst.
Schwestern
Schwestern
im Krankenhaus mag man oder man kann sie nicht ab. Vor Letzteren möchte
man sich am liebsten unter der Bettdecke verstecken, wenn sie das
Zimmer betreten. Hier soll jedoch von einer meiner Lieblingsschwestern
in Bad Oeynhausen die Rede sein. Es war eine der vielen
Nachtschwestern. Sie mochte mich wohl und machte mir während unserer
mitternächtlichen Gespräche insbesondere auch vor der OP viel Mut. Ich
mochte sie auch, hoffte aber bis zu meiner Entlassung schon gar nicht
mehr auf ein Wiedersehen. Dann kam alles ganz anders.
Am
Abend vor meiner Entlassung trat sie unerwartet zur Tür herein und
fragte routiniert nach meinen Wünschen. Ob sie mich wohl erkannt hat,
fragte ich mich. Dann bemerkte ich zaghaft: "Auch mal wieder im
Dienst?".
Ihr "Ja" klang etwas verunsichert, sie schien mich
wieder zu erkennen, konnte mich aber noch nicht unterbringen. "Auf
welchem Zimmer haben Sie gelegen ?" begann sie nun recherchierend.
"Zimmer 624" war meine Antwort. Dann verschwand sie, um mir die
obligatorische Flasche Wasser zu holen.
"Sie sind der
Patient mit dem Wunsch nach einer starken Schlaftablette" stellte sie
bei ihrer Rückkehr - noch immer ein wenig zögernd - fest. Ich bejahte
und unser beider Problem war gelöst. Tatsächlich hatte ich sie vor
meiner OP darum gebeten, mir eine Schlaftablette, die nicht in Ihrem
Sortiment war, zu besorgen; was ihr mit gutem Willen und etlicher Mühe
auch gelungen war.
Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte,
begriff ich, daß Schwestern in einem Krankenhaus wie diesem die
Gesichter ihrer Patienten nicht sehen und sich schon gar nicht merken.
Sie denken in Kategorien der Pflege, des Heilens und - wie sich hier
zeigt - nicht zuletzt in Tabletten, Medikamenten und Medizin.
Wie könnte es auch anders sein!