Wellness-Beiträge



Spas schwimmen auf der grünen Welle

Alte Ökos waren gestern, grüner Lifestyle ist heute. Das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zeigt sich stylischer und gesundheitsbewusster denn je.

Quelle: AHGZ, Der Hotelier, 22.1.2011

Immer mehr Menschen führen in ihrem Alltag einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil, auf den sie auch in ihrem Urlaub nicht verzichten wollen. Doch zunehmend beginnen sich die ökologisch denkenden Gäste zu fragen, ob sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, eine Spa-Anlage zu betreten, deren Primärenergiebedarf bei mehr als 80 Prozent liegt. Und die das Wohlbefinden des Menschen in den Mittelpunkt stellt, gleichzeitig aber Treatments mit Rohstoffen anbietet, die skrupellos gewonnen und um die halbe Welt geflogen werden müssen.

„Die Wellnessbranche muss Verantwortung für die Nachhaltigkeit ihrer Produkte und Dienstleistungen übernehmen, weil Kunden es zunehmen erwarten und es ein unverzichtbarer Beitrag für das Wohlergehen nicht nur der Hotels, sondern unserer Gesellschaft ist“, fasst Thomas Jäger, Leiter der Fachgruppe Green Spa vom Deutschen Wellness Verband, die Entwicklung zusammen. „Die Bevölkerung nimmt das grüne Thema immer mehr für sich in Anspruch. Hoteliers können sich einen unheimlichen Zukunftsvorteil schaffen, wenn sie darauf setzen und grüne Produkte anbieten.“ Der Nachhaltigkeitsexperte ist überzeugt: Green Spa ist ein Erfolgsfaktor für die Zukunft, den Hoteliers nicht verschenken sollten.

Entscheidend ist für Hotels jedoch zu wissen: Wie groß ist das Potenzial wirklich? Und ist der Gast auch bereit, für die grünen Produkte möglicherweise mehr zu bezahlen als für die klassischen?

„Unsere Gesellschaft ist dabei, sich umzuorientieren: weg vom Konsumdenken. Es wird verstärkt wahrgenommen, dass die Gesundheit und nicht das Luxusauto das kostbarste Gut ist, das der Mensch besitzt. Dafür wird er in Zukunft bereit sein etwas zu tun – auch wenn es mitunter etwas kostet“, prophezeit Spa-Experte und Architekt Heinz Schletterer aus Österreich, der bereits zahlreiche Wellness-Anlagen in der ganzen Welt realisiert hat.

Diesen Trend belegen auch aktuelle Zahlen: Das Frankfurter Institut für sozialökologische Forschung zählt etwa ein Drittel der Bevölkerung zu den nachhaltig und gesundheitsorientierten Menschen, den sogenannten Lohas. Nach Ansicht von Professor Werner Schulz von der Universität Hohenheim liegt das Potenzial der Lohas in Deutschland bei 5 Mio. Haushalten, die in Zukunft verstärkt Ausgaben in die Gesundheit tätigen wollen. Die Kaufkraft dieser Zielgruppe schätzt Schulz auf etwa 200 bis 400 Mio. Euro.
Diese Entwicklung hat der Deutsche Wellnessverband schon länger beobachtet. Daher ist er in diesem Jahr mit seiner neuen Initiative Green Spa an die Öffentlichkeit gegangen. Schwerpunkt ist der Green-Spa-Kodex, den Thomas Jäger, ein durch Unesco und Bundesregierung ausgezeichneter Nachhaltigkeitsspezialist, in Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Deutschen Wellness Verbandes entwickelt hat. Jedes Hotel, das sich den Leitsätzen verpflichtet fühlt, kann den Kodex unterschreiben und wird auf der Webseite des Deutschen Wellness Verbandes als Unterstützer des Green-Spa-Gedanken veröffentlicht (Interview Seite 12).

Doch was ist überhaupt ein Green Spa? Ist es mit dem Einsatz von Naturkosmetik oder einer Solaranlage auf dem Dach bereits getan? „Green Spa steht für eine umweltbewusste und nachhaltige Betriebsausstattung und Betriebsführung in Spaanlagen, einschließlich seiner Lieferanten- und Kundenbeziehungen“, so Jäger. In letzter Konsequenz gehöre hierzu auch das Gebäude mit seiner Architektur und seinen Baustoffen. Das Ziel: Nicht nur die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kunden nachhaltig fördern, sondern auch die Umwelt schützen. Außer der gesundheitlichen und ökologischen Verantwortung muss ein Green Spa auf Fairness in der gesamten Produktions- und Handelskette achten. „Das Thema Nachhaltigkeit muss sich durch die gesamte Organisation ziehen. Wichtige Komponente ist dabei die gesundheitliche Nachhaltigkeit“, weiß Jäger. Der Nachhaltigkeitsspezialist legt bei der künftigen Green-Spa-Zertifizierung von Hotels großes Augenmerk darauf, dass die Behandlungen im Spa „weitergehend sind“ und sich nicht nur auf die Verabreichung von Behandlungen beschränken. „Wir erwarten von einem Green Spa, dass die originäre Wellness-Idee kommuniziert wird und somit ein Alltags-Transfer stattfindet“, erläutert Jäger. Kunden sollen erfahren, was sie selbst für sich und die Umwelt tun können und dies auch zu Hause weiterführen.

Doch im Endeffekt bedeutet Green Spa für Hoteliers vor allem eines: die systematische Senkung der Kosten. „Nachhaltig zu arbeiten, ist eine rein ökonomische Entscheidung. Wareneinsatzkosten lassen sich im Hotel so langfristig gesehen deutlich senken“, ist Thomas Jäger überzeugt. Denn durch Umweltschutz bietet sich im Spa ein großes Potenzial für Kostensenkungen. So lassen sich bei Beleuchtungsanlagen bis zu 65 Prozent einsparen, bei Heizungsanlagen und Heizungspumpen sind es sogar an die 70 Prozent. Allein die energetische Sanierung von Gebäuden berge ein Einsparpotenzial bis zu 50 Prozent, weiß Jäger.

Energie effizient einsetzen

Auch Architekt Heinz Schletterer sieht in dem Einsatz modernster Technologien wie Solarenergie, Photovoltaik, Wärmepumpen und Windenergie die Lösung dafür, Energien im Spa effizienter einzusetzen. „Clevere Energiekonzepte schaffen bis zu 50 Prozent Energieeinsparungen in Wellnessanlagen. Ökonomische Energiekonzepte, die wirtschaftliche Vorteile für den Betreiber bringen und einen wichtigen Beitrag zur Umwelt liefern, sind stark im Trend.“

Dieses Zukunftspotenzial hat Steffen Wunsch vom Hotel Mürz in Bad Füssing längst erkannt. Bereits vor sechs Jahren schlug er in seinem Haus eine grüne Richtung ein. Nach und nach wurden in dem 40 Jahre alten Haus insgesamt gut eine halbe Mio. Euro in energiesparende Maßnahmen investiert: Das Haus wurde gedämmt, ein komplett neues Heizungssystem mit Blockheizkraftwerk eingebaut, Bewegungsmelder integriert, Wasserhähne mit Wassersparer ausgestattet und Lampen durch energiesparende Alternativen ersetzt. 2006 wurde in der Außenanlage ein Naturschwimmbecken errichtet, das keinerlei Chemikalien benötigt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren konnte das Hotel mehr als 30 Prozent der Betriebskosten einsparen.

Doch nicht jedes Hotel ist in der Lage, derartige Investitionen vorzunehmen. Sylvia Dinter von der Spa-Beratung SD Consulting Services begegnet sogar häufig dem Vorurteil vieler Hoteliers, dass die baulichen Maßnahmen bei einem Green Spa erheblich umfangreicher sind als bei einer herkömmlichen Spa-Anlage. „Meine Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es da heutzutage keine großen Unterschiede mehr gibt.“ Diese Ansicht vertritt auch Thomas Jäger: „Die Investitionskosten können höher ausfallen, die Betriebs- und Instandhaltungskosten dafür aber deutlich niedriger. Und wenn man sich heutzutage viel Mühe gibt, schafft man es auch in den Bereich konventioneller Baumaßnahmen. In der Schlussbilanz ist Green Spa ein Sparkonzept.“

Der Nachhaltigkeits-Experte rät Hoteliers, ihre Häuser zunächst anhand von Wärmebildaufnahmen checken zu lassen. „Manche Spas sind beleuchtet wie ein Christbaum“, so Jäger. Insbesondere bei Heizung, Licht und Isolierungen gebe es große Einsparpotenziale. Einige Banken fördern solche Energieberatungen – wie beispielsweise die KfW-Bank, die etwa 80 Prozent des Tageshonorars eines Energieberaters subventioniert.

Doch ein Green Spa muss nicht komplett neu gebaut werden – Hoteliers können auch in einem bestehenden Spa eine Menge erreichen. Zum Beispiel Wasser sparen, den Energieverbrauch senken, auf umweltverträgliche Reinigungsmittel umstellen, Recycling-Materialien verwenden und Behandlungsprodukte beziehen, die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Auch ökologische Wandanstriche und Bodenbeläge ließen sich nachträglich einführen. „Grundsätzlich ist jeder Schritt in Richtung Green Spa ein guter“, sagt Wellness-Expertin Sylvia Glückert vom Spa-Beratungsunternehmen Wellconsult. „Viele Dinge sind leichter umsetzbar als man vielleicht denkt. Wenn man neu an das Thema herangeht, ist es aber sinnvoll, sich externe Hilfe zu holen.“ Anhand eines Kriterienkatalogs und mit fachlicher Unterstützung bei der Umsetzung sei die Umwandlung in ein Green Spa durchaus auch für bestehende Anlagen möglich.

Steffen Wunsch hat sich für den Umbau seines Wellnessbereichs in Bad Füssing einen Energieberater ins Haus geholt. Ideen für kleinere Maßnahmen kamen zum Teil aber von den Gästen selbst und wurden direkt umgesetzt: „Die Anregung, überall Wassersparhähne einzubauen, kam von einem Gast, der zufälligerweise eine Firma hatte, die genau das produziert“, erzählt Hoteldirektor Wunsch.

Künftig will die Fachgruppe Green Spa auch Hotels beraten und Kontakte zu Zulieferern herstellen. Ziel ist, gemeinsam nach Lösungen für neue grüne Produkte zu suchen. „Wir wollen mit den Hotels und Herstellern Standards entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten sind.“

Grüne Produkte

Doch bereits jetzt gibt es einige Hersteller, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben und ihre Produktentwicklung dahingehend angepasst haben. Ein schönes Beispiel ist dafür die Firma Gharieni. Auf Anregung des Deutschen Wellness Verbandes entwickelte das Unternehmen aus Moers die erste Ecofair Wellness-Liege „MLW Greenline“. Sie verbraucht keinen Strom und verfügt über eine Ecofair-Naturlatexmatratze mit fünf belüfteten Komfortzonen. Für die Verkleidung der Liege und des Präparatewagens werden ausschließlich heimische Ahornhölzer verwendet. Das Garn für die Herstellung des Ecofair-Bezuges ist nicht nur aus ökologischem Anbau, sondern auch nach den Prinzipien des ehrlichen Handels bezogen. „Das Beispiel Gharieni zeigt, wie hilfreich es ist, zusammen Standards für die Branche zu entwickeln“, ist Thomas Jäger überzeugt. Auch die Firma Hansgrohe aus dem Schwarzwald hat sich Gedanken zum Thema Umweltschutz gemacht und mit ihren neuen Produkten Hansgrohe Air Power und Ecosmart zwei Systeme entwickelt, die Umwelt und Geldbeutel schonen sollen. Air Power mischt Luft und Wasser in den Brausen im Verhältnis 3 zu 1. Somit werden die Tropfen fülliger und leichter. Sowohl bei Duschbrausen, als auch bei Waschbeckenarmaturen sollen mithilfe moderner Durchflussbegrenzer unabhängig vom örtlichen Wasserdruck enorme Einsparungen erzielt werden. Laut Hersteller werden so nur noch 6 Liter pro Minute bei Waschtischarmaturen und zwischen 6 und 9,5 Liter pro Minute bei Brausen statt normal bis zu 20 Litern verbraucht. „Unsere Produkte sollen das Bewusstsein für den Wert des Wassers wecken“, so Siegfried Gänßlen, Vorstandsvorsitzender der Hansgrohe AG. „ Dies kann aber nur gelingen, wenn sie in Form und Funktion perfekt sind und es zugleich schaffen, einen emotionalen Mehrwert zu kreieren, damit das Wasser auf der Haut zu einem Erlebnis wird.“

Sauna frisst Energie

Ein weiterer Energiefresser im Spa: Die Saunakabine. Der Deutsche Saunabund empfiehlt für ein ausgewogenes Raumklima einen zehnfachen Luftwechsel pro Stunde. Allerdings ist dies ein Wert, der von einer voll belegten Kabine ausgeht. Doch was ist, wenn nur wenige Gäste die Sauna nutzen? Ein Problem, dass auch Steffen Wunsch in seiner Wellnessanlage im Hotel Mürz kennt. „Im Sommer stellen wir unsere Sauna nur auf Anfrage an. Aber im Winter muss sie ständig laufen, auch wenn sie manchmal nur von wenigen Gästen genutzt wird.“

Für dieses Problem hat der Saunahersteller und Spa-Ausstatter Klafs ein spezielles Green-Sauna-Paket entwickelt, dass die Energiebilanz der Saunakabine von Grund auf verbessern soll. Da der größte Energieverlust mit 75 Prozent durch Lüftung und Wärme-Transmission über die Decke entsteht, setzt das Green-Sauna-Paket Professional genau bei diesen beiden Faktoren an. Laut Hersteller sind mit dem sogenannten Klima-Manager und der Ecoplus-Thermodecke Energieeinsparungen von bis zu 35 Prozent möglich. Mit intelligenter Sensortechnik analysiert der Klima-Manager die Bestandteile der Saunaluft und sorgt für einen bedarfsgerechten Luftaustausch, abgestimmt auf die tatsächlich benötigte Frischluftmenge.

Die zweite ressourcenschonende Komponente verringert Wärme- und Energieverluste an der Saunadecke. Die Ecoplus-Thermodecke sorgt mit einer durchdachten Konstruktion am Deckenaufbau dafür, dass Wärme deutlich länger im Saunainnenraum bleibt. Und da weniger Wärme verloren geht, muss somit auch weniger nachgeheizt werden. Laut Hersteller erhöhen die erwähnten Komponenten das geplante Budget bei der Erstanschaffung einmalig um maximal 5 bis 10 Prozent. Dafür sollen sie die laufenden Betriebskosten erheblich senken. „Bei einem großen Spa können diese Einsparpotenziale schnell 25.000 bis 35.000 Euro pro Jahr ausmachen. Damit rechnet sich dies oft schon im ersten Jahr“, sagt Stefan Schöllhammer, Geschäftsführer von Klafs. Der Saunahersteller, der bereits Hotels wie das Budersand, das Arosa Sylt oder das Ifen Hotel im Kleinwalsertal mit nachhaltigen Produkten ausgestattet hat, sieht im grünen Markt ein großes Potenzial: „Wir stoßen am Markt mit unseren umweltfreundlichen Produkten nach anfänglichem Zögern nun auf großes Interesse. Bei unseren Saunen und Dampfbädern ist bereits der größere Teil mit einer oder mehreren Komponenten zur Umweltschonung ausgestattet.“

Eine wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Alternative zur klassischen Saunakabine bietet die Firma Corso-Saunabau für kleinere Spaanlagen: die Infrarotkabine. Nach Herstellerangaben verbraucht sie deutlich weniger Strom als herkömmliche Saunen. Grund: Corso-Saunabau verwendet Lampen, die im Gegensatz zu konventionellen Infrarot-Strahlern sofort nach dem Einschalten die volle Wärmeleistung entfalten.

Der Badausstatter Kaldewei hat bereits vor 90 Jahren den Weg ökologischer Nachhaltigkeit eingeschlagen. Die Produkte des Anbieters für Badewannen aus Stahl-Email werden ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, die sich am Ende ihres Lebenszyklus zu 100 Prozent recyclen lassen. Dafür hat das Unternehmen das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen erhalten. Der zusätzliche Perl-Effekt, eine eingebrannte Oberflächenvergütung, lässt Wasser, Schmutz und Kalkpartikel von der Wanne abperlen. Damit werden scharfe und umweltbelastende Reinigungsmittel im Green-Spa überflüssig.

Erhebliche Einsparungen verspricht die Umstellung auf LED-Leuchten als ökologisch sinnvolle Alternative zur Glühbirne. Die Firma Brumberg führt neue LED-Leuchtmittel, die eins zu eins gegen konventionelle Halogenlampen ausgetauscht werden können. Sie verfügen über eine Lebensdauer von 50.000 Stunden und erreichen bei einem Dauerbetrieb von 24 Stunden am Tag eine Lebensdauer von sechs Jahren.

Hanf ist eine Alternative

Gerade im Spa-Bereich spielt auch die Wärmedämmung eine zentrale Rolle – die Räume konstant auf eine für die Gäste angenehme Temperatur hochzuheizen, kostet eine Menge Energie. Daher empfiehlt der Deutsche Wellness Verband das Dämmaterial Zellulose, mit dem Winkel und Ecken bis in den kleinsten Hohlraum vollkommen dicht werden. Gegenüber konventioneller Mineralwolle lassen sich so Heizkosten in Höhe von 25 Prozent einsparen. Auch bietet Zellulose im Sommer bis zu 5 Grad mehr Hitzeschutz.

Eine mögliche Alternative zum Dämmen ist das Naturprodukt Hanf. Die Hock GmbH aus Nördlingen hat mit seinem Produkt Thermo-Hanf Plus einen Dämmstoff aus Hanffasern entwickelt, der zu 100 Prozent aus natürlichen Bestandteilen hergestellt wird und kompostierbar ist. Thermo-Hanf Plus hat eine positive CO{-2}-Bilanz, da die Hanfpflanze in der Wachstumsphase mehr Kohlendioxid bindet, als beim gesamten Herstellungsprozess freigesetzt wird.

Auf Hanf setzt auch das Hotel & Spa Juffing in Tirol. Allerdings nicht für die Dämmung: „Wir haben in unserem Spa neuerdings Hanfböden“, erzählt Inhaberin Sonja Juffinger-Konzett, die sich aus reiner Liebhaberei und aufgrund der eigenen Lebenseinstellung dem Thema Green Spa verschrieben hat. Knapp 300.000 Euro investierte das Haus in Solarenergie, ein Regenwasser-Sammelbecken, Böden und Biozimmer.

Außer Hanf ist auch der Bodenbelag Lifeline aus dem neuen Material Enomer empfehlenswert, der zu 80 Prozent aus natürlichen Materialien und zu 20 Prozent aus PVC-freien thermoplastischen Polymeren besteht. Die Enomer-Böden, die das Unternehmen Joka aus Kassel entwickelt hat, sind frei von schädlichen Substanzen wie Weichmacher, Stabilisatoren und Schwermetallen. Hoteliers, die für ihren Spa-Bereich nach ökologisch korrekten Teppichböden suchen, finden mit der Marke Tretford einen verlässlichen Partner. Das Unternehmen stellt langlebige Teppichböden her, die aus nachhaltigen Rohstoffen bestehen. Die robusten Teppichböden werden aus dem Haar von ausgewählten Kaschmir-Ziegen hergestellt und sind pflegeleicht und strapazierfähig. Zusätzlich schaffen sie ein besonders angenehmes Raumklima.

Diese Eigenschaft wird auch dem Werkstoff Steinputz zugesprochen, der einen hohen Alabasteranteil aufweist. Steinputz ist ein reines Naturprodukt und eignet sich besonders gut für Feuchträume wie Wellness-Bereiche. Die Terrastone-Steinputze der Firma Stone Esthetic können Luftfeuchtigkeit in sich aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Laut Hersteller ist das Mineralpulver leicht anzumischen und wird mit einem Glätter einfach auf Decken und Wänden aufgezogen. Dabei können Hotels aus einer Palette von 32 verschiedenen Farben wählen.

Die richtige Farbe wählen

Wer seinem Green-Spa einen frischen und ökologisch vertretbaren Anstrich geben möchte, greift auf gesunde Wandfarben zurück. Experten auf diesem Gebiet sind die Firmen Caparol und Keimfarben. Das Produkt Caparol Sensitiv ist eine patentierte Umweltraumfarbe, die nach Herstellerangaben frei von Lösungsmitteln und Konservierungsstoffen ist und für Allergiker geeignet ist.

Das Unternehmen Keimfarben setzt mit mineralischen Farben Akzente in puncto Nachhaltigkeit. Durch das eingesetzte Bindemittel Wasserglas verzichtet der Hersteller vollständig auf Lösungsmittel, Weichmacher und Konservierungsstoffe. In manchen Bereichen im Spa sieht Steffen Wunsch aus Bad Füssing allerdings ein Problem, konsequent ökologisch zu handeln. Der Hotelier hat die Erfahrung gemacht, dass Kunden besonders im Spa-Bereich stets frische Handtücher vorfinden wollen. „Wellness ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite setzt man auf Umwelt, will aber gleichzeitig den Wünschen der Gäste gerecht werden. Da muss man eben in bestimmten Bereichen wie bei der Wäsche Abstriche machen.“

Doch auch hierbei gibt es Möglichkeiten, Wasser zu sparen. Die Firma Harti bietet spezielle Profi-Frottiertücher aus 100 Prozent Baumwolle an, die extra auf die jeweiligen Funktionsmaße im Spabereich zugeschnitten sind. Das ist nicht nur im Spa-Alltag praktisch, sondern soll auch die Umwelt schonen, da mehr Wäschestücke in die Waschmaschine passen. So misst das Energiesparhandtuch Öko beispielsweise 30 mal 90 Zentimeter und eignet sich besonders gut für Gesichtsbehandlungen.

Auch bei der Arbeitskleidung für Spa-Mitarbeiter gibt es ökologisch korrekte Alternativen. Vorreiter bei Naturtextilien ist die Firma Hess Natur. Unter dem Motto „Design for life“ bietet das Unternehmen giftfreie und fair produzierte Produkte an. In der Modekollektion finden sich zahlreiche Produkte, die auch für den professionellen Einsatz im Kosmetik-, Spa- und Wellnessbereich genutzt werden können.

Die Liste nachhaltiger Maßnahmen in einem Green Spa ließe sich fortsetzen. So empfiehlt der Deutsche Wellness Verband unter anderem ausschließlich PVC-freie Rohre zu verwenden, Kacheln und Keramik ohne umweltschädliche Substanzen zu verkleben sowie bei Holzmaterialien nur auf regionale Produkte aus kontrollierter nachhaltiger Waldwirtschaft zurückzugreifen. Angesichts der steigenden Zahl von Allergikern sei es ebenso ratsam, spezielle Luftreinigungssysteme im Innenraum zu installieren, die die Luft von Partikeln und Allergenen befreien.

All diese Einzelmaßnahmen können aus einem bestehenden Spa ein Green Spa machen, allerdings ist dabei eine durchgängige grüne Ausrichtung entscheidend. „Nicht nur der Spa-Bereich sollte das grüne Bewusstsein und die Werte leben – auch alle anderen Bereiche im Hotel inklusive der Gastronomie sollten das ebenso tun“, mahnt Spa-Beraterin Sylvia Dinter. Diese Philosophie verfolgt auch Sonja Juffinger-Konzett, die das Hotel Juffing dieses Jahr für den Green-Spa-Kodex zertifizieren lassen möchte. „Wir positionieren uns erst dann als richtiges Green Spa, wenn auch unsere Küche fertig ist. Die Leute lassen sich schließlich nicht verarschen, alles muss zu 100 Prozent stimmen.“

Investitionen lohnen sich

Zusammen mit dem neuen Green-Spa-Bereich, der an Weihnachten komplett fertig gestellt wurde, erhofft sich Sonja Juffinger-Konzett eine höhere Auslastung: „Ich glaube zwar nicht, dass nun mehr Gäste wegen der grünen Zusatzangebote zu uns kommen. Aber wenn ein nachhaltig denkender Gast vor der Entscheidung steht, ob er ein grünes Hotel oder ein normales wählt, wird er sicher Ersteres nehmen.“

Im Hotel Mürz fragen die Gäste noch nicht verstärkt nach grünen Produkten. „Es sind maximal 5 Prozent der Gäste, die sich nach unseren Maßnahmen im Umweltschutz erkundigen. Die Mehrzahl schaut noch primär nach Preis und Leistung“, so Wunsch. „Aber für uns haben sich die Investitionen und Mühen auf jeden Fall gelohnt. Wir wollten die eigenen Kosten minimieren und in den Trend der Zukunft investieren.“

Und wie sieht das Green Spa der Zukunft aus? Sylvia Dinter ist überzeugt, dass Hightech eine größere Rolle spielen wird. „Nur Bio und Handgeklöppeltes ist für mich nicht Green. Man muss ja auch Geld damit verdienen“, so die Betriebswirtschaftlerin. Sie verheißt dem Thema Medical eine rosige Zukunft: „Es geht darum, bei Gästen bestimmte Erfolge mit den neuesten Entwicklungen zu erzielen. Gefragt sind schnellere Ergebnisse und mehr Nachhaltigkeit.“

Beraterin Sylvia Glückert stellt sich das Green-Spa der Zukunft als „learning organisation“ vor, das sich regelmäßig nachhaltig weiterentwickelt. „Je nach Standort und verfügbaren Flächen werden Spas die Zutaten für ihre Wellness-Küche und den Spa-Bereich im eigenen Garten anbauen“, so Glückert. „Green Spas werden ihren Gästen vom Beet bis auf die Massageliege eine nachvollziehbare Green-Spa-Kultur bieten müssen.“
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