Heilfasten
Definition
Zeitlich begrenzter Nahrungsverzicht aus geistig-seelischen Beweggründen.
Ursprung
Das Heilfasten geht auf Hippokrates, den "Vater der Heilkunde" (460-377
v.Chr.) zurück. Das Fasten an sich ist ein Ritual, das in allen
Weltreligionen praktiziert wurde und wird, um leiblichen Versuchungen
zu entrücken und sich statt dessen auf Geist und Seele zu
konzentrieren. Fasten hat die Bedeutung von Reinigung und Opfer oder
ist ein Zeichen von Buße.
Methode
Das heutige (Heil-)Fasten hat oft medizinische Aspekte und wird vor
allem bei Krankheiten wie Adipositas (krankhaftes Übergewicht), Rheuma
, Leber-, Darm- und Hauterkrankungen angewandt. Aber auch um ein paar
Kilos abzunehmen, scheint Fasten eine vielversprechende Maßnahme zu
sein.
Beim Fasten wird für eine bestimmte Zeit völlig oder teilweise auf
Essen verzichtet. Statt dessen steht viel Flüssigkeit im Vordergrund.
Wenn der Körper keine oder nur wenig Nahrungsenergie erhält, stellt er
sich auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um, d.h. der Körper
verbraucht nur sehr wenig Kalorien und beansprucht seine eigenen
Energiereserven von Kohlenhydraten in Leber und Muskeln. Nach ca. 4- 5
Tagen sind diese Reserven erschöpft. Die Versorgung des Gehirns muss
jedoch weiterhin gewährleistet bleiben. Dazu bedient sich der
Stoffwechsel nun der Eiweiß- und Fettreserven. Dabei fallen sogenannte
Ketonkörper an, Säuren und Azeton. Der saure Mundgeruch und unangenehme
Körpergeruch sind ein Zeichen dafür. Bei zu langem Fasten kann der
Angriff auf die Ersatz-Energiereserven gefährlich werden, da es zu
einem bedrohlichen Abbau von Muskeleiweiß (z.B. von Organen wie dem
Herz) kommen kann. Auch bei kurzzeitigem Fasten können
Erschöpfungszustände und Kreislaufprobleme auftreten. Deshalb sollten
Fastenkuren nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Beim längeren
Fasten werden Endorphine (Glückshormone=Serotonin) freigesetzt, die dem
Fastenden das Hungern erleichtern und seine Stimmungslage "aufheizen".
Ein wichtiger Aspekt des Heilfastens ist das "Entschlacken".
Beurteilung
Durch die stimmungsaufhellenden Effekte des Fastens ist schon manche(r)
in einen Teufelskreis geraten. Auch nach dem Hungern kann der Mensch
süchtig werden, vor allem, wenn er jung ist und keine
Bewältigungsstrategien für Belastungen und Angst kennt.
Immer wieder werden Menschen, die auf eigene Faust eine Fastenkur
machen, mit Kollaps ins Krankenhaus eingeliefert. Wer hingegen in einer
Klinik unter fachlicher Aufsicht fastet, muss bis zu 200 Euro pro Tag
investieren - Krankenkassen zahlen nur in Ausnahmefällen.
Den Begriff "Schlacken" gibt es in der gesamten konventionell-wissenschaftlichen Literatur nicht. Endprodukte des
Stoffwechsels werden über Niere, Lunge und Haut ausgeschieden.
Schlacken gibt es nur im Hochofen.
Dennoch betonen auch wissenschaftliche Mediziner einige gesundheitliche
Effekte. Naturheilkundler argumentieren z.B. dass bei entzündlichen
Erkrankungen wie Neurodermitis und Rheuma der Körper durch Fasten auf
andere "Bewältigungsstrategien" umgestellt werden könne, die die
Neigung des Körpers zu schmerzhaften Entzündungen vermindern könnten.
Auch das Immunsystem scheint gestärkt zu werden. Noch drei Monate nach
einer Fastenkur ist dieser Effekt anhand vermehrter Immunglobuline im
Darm feststellbar. Schließlich wird auch der Geschmacksinn
sensibilisiert. Übertrieben sind hingegen Behauptungen wie
"durchschlagender Erfolg bei Schuppenflechte und Diabetes" oder dass
Krebsgeschwüre absterben könnten.
Das Fazit des Fastens? Wenigstens eine Gewichtsreduktion? Kurzfristig
ja. Aber prominente regelmäßige Fasten-Urlauber machen den
zweifelhaften Nutzen der Alles-oder-Nichts-Strategie augenfällig. Es
gibt schließlich ein Essen nach dem Fasten und wenn keine
Ernährungsumstellung langfristig erfolgt, ist eine Gewichtszunahme mit
"Zinsen", so wie bei allen anderen Hungerkuren auch, das bedauerliche
Ergebnis.
Fasten allein zur Gewichtsreduktion - insbesondere bei geringem oder
mäßigem Übergewicht - ist nicht empfehlenswert. Es kann jedoch bei
medizinischer Indikation Teil einer Therapie sein, wenn
Ernährungsverhaltensprogramme und verhaltenstherapeutische Ansätze die
Fastenperiode begleiten. Begrenztes Fasten unter rein spirituellen
Gesichtspunkten ist sicher eine gute Möglichkeit des "Innehaltens".
Literatur
- Hellmut Lützner, Wie neu geboren durch Fasten, Gräfe & Unzer Verlag (2000)
- Hellmut Lützner und Helmut Million, Richtig essen nach dem Fasten, Gräfe & Unzer Verlag (1998)
- Karin Schutt, Wie neu geboren, Gräfe & Unzer (2000)
- Birgit Vogel, Heilfasten, Mosaik-Verlag( 1997)
- Petra Hopfenzitz und Hellmut Lützner, Fasten und Meditation, Gräfe & Unzer Verlag (1991)
- Ralf Moll, Typgerechtes Fasten leicht gemacht, Trias Verlag (2000)
- Neal Barnard, Iss dich fit, Rowohlt Verlag ( 1998)
- Doris Muliar, Low Fat, Gräfe und Unzer Verlag (2001)
- Helmut Oberritter, Gesund abnehmen, Wort & Bild Verlag (2003)