Progressive Muskelentspannung (Muskelrelaxation) nach Jacobson
Definition
Entspannungstechnik. Bei der Progressiven Muskelentspannung werden
nacheinander ("progressiv") die wichtigsten Muskelgruppen willentlich
angespannt und dann entspannt und gelockert.
Ursprung
Der Physiologe Edmund Jacobson entwickelte zwischen 1908-1934 ein
Training, bei dem durch systematische An- und Entspannung verschiedener
Muskelgruppen und durch die damit verbundenen Gefühle ein Zustand
tiefer Entspannung eingeleitet und erlebt werden kann. Er entdeckte bei
seinen frühen Untersuchungen, dass bei einem Spannungsgefühl (Angst)
eine Muskelkontraktion (Muskelanspannung) beteiligt ist und dass diese
Angst aufgehoben werden kann, wenn die muskuläre Spannung beseitigt
wird. Sein Training zielte in erster Linie auf die "Kultivierung der
Muskelsinne", um auch kleinste körperliche Verspannung frühzeitig
wahrnehmen und willentlich abbauen zu können.
Methode
Folgende Muskeln werden nacheinander für jeweils einige Sekunden an-
und entspannt: rechte Hand (Unterarm), linke Hand (Unterarm), rechter
Bizeps (Oberarm), linker Bizeps, Stirn, Gesicht, Nacken, Brust (durch
Einatmen), Oberschenkel, Unterschenkel. Es gibt auch andere
Abfolgesysteme, z.B. erst linke Körperhälfte, dann rechte
Körperhällfte, dann Körpermitte, oder erst Extremitäten, dann Rumpf und
Kopf.
Die Entspannungsphase soll deutlich känger als die Anspannungsphase dauern (45-60 Sekunden gegenüber 5-7 Sekunden).
Heutige Übungssysteme sind von den ursprünglichen Empfehlungen
Jacobsons zum Teil stark abweichend, insbesondere hinsichtlich Umfang
und Dauer der einzelnen Übungen sowie des gesamten Trainingsprogrammes.
Beurteilung
Wer geübt ist, kann das Gefühl der Entspannung von Muskeln im ganzen
Körper intensiv spüren. Das An- und Entspannen der Muskelgruppen hilft
besonders Menschen mit fehlendem bzw. verloren gegangenem
Körperbewusstsein, aufmerksamer für Signale des Körpers zu werden. In
der wissenschaftlichen Grundlagen-Wirkungsforschung sind
widersprüchliche Studienergebnisse festzustellen, was unter anderem an
der heutigen Methodenvielfalt von PME und den unterschiedlichen
Studiendesigns liegt.. Es mehrt sich jedoch die Zahl der Kritiker an
den heute verwendeten Varianten, die eine Rückkehr zu der
ursprünglichen Version der PME von Jacobson fordern.
Es ist ratsam, die PME unter Anleitung zu erlernen. Wer anschließend
täglich zu Hause übt, kann sich eine automatisierte Entspannungswirkung
aufbauen.
Die progressive Muskelentspannung kann besonders zur Vorbeugung z.B.
von Migräneattacken und Spannungskopfschmerz, aber auch direkt in der
akuten Schmerzsituation eingesetzt werden. Ebenfalls bewährt hat sich
die Anwendung bei essentieller Hypertonie (Bluthochdruck)
Die PME eignet sich darüber hinaus in vielen Lebenssituationen als
Kurzentspannung und Anti-Stress-Technik. Generell ist PME ein idealer
Einstieg in die Welt der Entspannungsverfahren. Sie eignet sich
grundsätzlich für jeden Menschen - auch für Kinder, sofern keine
psychiatrischen Störungen oder Erkrankungen vorliegen. Insbesondere bei
Vorliegen psychotischer Erkrankungen, endogener Depressionen und
Epilepsie ist von Entspannungsübungen insgesamt abzusehen.
Literatur
- Dieter Vaitl und Franz Petermann, Handbuch der Entspannungsverfahren (Band 1), Psychologie Verlags Union (1993)
- Edmund Jacobson, Entspannung als Therapie. Progressive Relaxation in Theorie und Praxis, Klett Cotta Verlag (1999)
- Astrid Frank, Im Alltag entspannen mit Progressiver Relaxation, Trias Verlag (2000)
- Dietmar Ohm, Progressive Relaxation für Kids, Trias Verlag (2000)
- Robert Sonntag, Blitzschnell entspannt, Trias Verlag (1998)