16.06.2007 | DWV: Lebensstil

Raucherinnen ab 40 besonders gefährdet

In der Region Hannover leidet jeder Siebente an chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. Daten repräsentativ für ganz Deutschland

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM schlagen Alarm: Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sind weitaus häufiger als bislang gedacht. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Studie, an der die MHH und das Fraunhofer ITEM beteiligt sind. Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen werden umgangssprachlich auch unter dem Begriff Raucherlunge mit dem Symptom Raucherhusten zusammengefasst, umschließen aber das weitaus größere Gebiet von Krankheiten, die mit Husten, vermehrtem Auswurf und Atemnot bei Belastung einhergehen, wie etwa chronisch-obstruktiver Bronchitis oder Lungenemphysemen.

Die Wissenschaftler haben 2546 Personen aus der Region Hannover angeschrieben und 750 davon auf ihre Lungenfunktion, eventuell vorhandene Lungenerkrankungen und ihre Rauchgewohnheiten untersucht. "Die Ergebnisse sind erschreckend", sagt Professor Dr. Tobias Welte, Direktor der MHH-Abteilung Pneumologie. Jeder siebente Proband (13,2 Prozent) leidet an einer COPD. "Besonders betroffen macht die Zahl rauchender Frauen." Bei fast zehn Prozent dieser Frauen, die älter als 40 Jahre sind, konnten die Wissenschaftler eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung nachweisen. Im Durchschnitt fanden die Forscher bei jedem fünften rauchenden Studienteilnehmer aus der Region Hannover eine COPD.

Gesunde Frauen haben ein Lungenvolumen von 3,5 bis fünf Litern, gesunde Männer von vier bis sechs Litern. Mit der Alterung verringert sich das Volumen um durchschnittlich 20 bis 30 Milliliter pro Jahr. "Bei Rauchern hingegen sind es 100 bis 150 Milliliter pro Jahr", erläutert Dr. Henning Geldmacher aus der MHH-Abteilung Pneumologie, der einen maßgeblichen Anteil an der Erhebung der Studiendaten hatte. Die Konsequenzen: "Eine vierzigjährige Raucherin, die heute bereits an einer mittelschweren COPD leidet, wird in 20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Atemorgane so geschädigt haben, dass sie auf die Gabe von Sauerstoff angewiesen ist." Das treffe natürlich auch auf rauchende Männer zu.

Die Untersuchungen in der Region Hannover sind Teil der so genannten BOLD-Studie. Dabei haben Wissenschaftler in elf weiteren Regionen auf der Welt derartige Studien durchgeführt - in Städten in Südafrika, Kanada, den USA, China, Türkei, Österreich, Polen, Norwegen, Island und auf den Philippinen. "Die Ergebnisse zeigen, dass COPD weltweit ein drängendes Problem ist", betont Professor Welte. Besonders hoch seien die Zahlen in Südafrika, dort spiele aber auch noch die Lungentuberkulose eine viel bedeutendere Rolle. Wesentlich mehr COPD-Fälle als in Deutschland gibt es der Studie zufolge auch in Österreich oder Polen. "Obwohl wir im internationalen Ranking noch recht gut abschneiden, ist das kein Grund zur Entwarnung", sagt der Pneumologe. Im Gegenteil: "Die Folgen der COPD sind sehr dramatisch - dabei ist die Prävention so simpel: einfach aufhören zu rauchen."


 

 

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