Waldbaden für mehr Wellness


Früher machte man am Sonntag Nachmittag einen Waldspaziergang. Heute fällt das in die Kategorie „Wellnessanwendung“ und heißt zu neudeutsch Forest Bathing. Allerdings hat die Freizeitaktivität im Grünen inzwischen eine gesundheitswissenschaftliche Fundierung erhalten. Während in den 1970er und 80er Jahren schon Millionen Deutsche auf Trimm Dich Pfaden im Wald schwitzend unterwegs waren, reichte den Japanern der lediglich entspannte Aufenthalt im Forst. Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich im Land der aufgehenden Sonne ein eigener Forschungszweig rund um die naturheilkundliche Waldmedizin und man gab der Sache einen treffenden Namen: Shinrin-yoku - übersetzt ins Deutsche: Waldbaden.

Nun gibt es auch hierzulande die ersten, die Gefallen an der japanischen Naturbewegung gefunden haben und sicher wird die Fangemeinde der Waldbader aufgrund der breiten medialen Würdigung noch anwachsen. Waldstücke wurden bereits im Zuge der Trendwelle zu Kur- und Heilwäldern geadelt, Waldwege in Waldbadepfade umbenannt. Und natürlich werden auch schon die ersten Waldbadekursleiter ausgebildet. Schädlich ist das sicher nicht. Ist aber auch etwas dran an den Behauptungen, der Wald sei eine Art Medizin für uns?

Zwei Stunde Natur pro Woche sind optimal

Es spricht vieles dafür, dass es nicht allein der Aufenthalt im Wald ist, der unser Wohlbefinden steigert, uns entspannt und entschleunigt und damit auch der Gesundheit einen Dienst erweist. Viel mehr ist es wohl das Naturerlebnis schlechthin, das auch im Park, auf der Wiese, am Wasser oder in den Bergen erfahren und genossen werden kann. Die Naturpsychologie ist reich an entsprechenden Forschungsdaten. In einer im Juni 2019 veröffentlichten Studie der britischen Universität Exeter wurde festgestellt, dass bereits zwei Stunden jeglicher Art von Naturaufenthalt pro Woche nicht nur ausreichend, sondern auch optimal sind, um das wahrgenommene gesundheitliche Wohlbefinden nennenswert zu steigern.

Und doch hat Wald für viele von uns in Deutschland Aufgewachsenen eine besondere Bedeutung. Es sind die schönen Erinnerungen an die Kindheit, das Spielen, Suchen, Sammeln im Wald, die unbeschwerte, selbstvergessene Zeit. Auch wenn Wissenschaftler nun nach Molekülen aus Rinden und Blättern suchen, die über Haut und Nase aufgenommen und zum Wohle unserer Gesundheit verarbeitet werden könnten, so scheint es bislang als wahrscheinlicher, dass es mehr die psychologischen Effekte sind, die dem Wald seine Wirkkräfte auf uns Menschen verleihen. Der Forschungszweig der Naturpsychologie kann viele wissenschaftliche Belege darüber vorweisen.

Die ambitionierte Waldbader-Gemeinde von heute begnügt sich indessen nicht mehr nur mit bloßem Herumlaufen zwischen Bäumen. Sie sind um multisensorische Achtsamkeit bemüht: Mit allen Sinnen das Gegenwärtige erfassen, ohne es zu bewerten und sich daran zu ereifern. Ein paar meditative Yoga-Stellungen und Atemübungen lassen sich da gut einbeziehen, und gelegentlich auch eine Baumumarmung.


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